Historisches Stadtspektakel in Kronach Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Schinzel-Lang) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Schinzel-Lang) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Stadt Kronach) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Stadt Kronach) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw) Historisches Stadtspektakel in Kronach (Bildrechte: Dr. Kerstin Löw)
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Vom Schmäuß, Schmäußen und Schmäußig sein

Braukunst

Als Substantiv wird es für ein Getränk gebraucht, als Verb beschreibt es einen Vorgang und als Adjektiv einen Zustand. Woher der Begriff kommt ist bekannt, was er bedeutet, nicht so ganz. Ein Erklärungsversuch…

Die begriffliche Nutzung tauchte erstmals in der Kronacher Renaissance- bzw. Barockzeit auf. Zu dieser Zeit bestand für jeder Bürger der Oberen Stadt das beurkundete Recht, zu einer bestimmten Zeit Bier brauen zu dürfen. Dies konnte zwischen dem Michaeli- (29. September) und dem Georgie-Tag (23. April) in Anspruch genommen werden. Ansonsten durften die Kronacher Oberstädter kein Bier brauen. Es sei denn, es stand eine größere Festlichkeit, wie z.B. Hochzeit oder Kindstaufe an. Dann konnte auf Antrag vom Rat der Stadt erlaubt werden, zusätzlich ein weiteres Gebräu, das so genannte Schmäuß, aufzulegen. So wurde dieses spezielle Braurecht genannt.

Abgeleitet ist der Begriff  vermutlich von „schmausen“. Da auf solchen Festen üppig und gegessen und getrunken, eben geschmaust wurde. Aus der Verbalhornung dieses Wortes: schmausen… Schmaus…. Schmäus….Schmäuß, wird sich letztlich der heute wieder benutzte Begriff entwickelt haben.

Die Pottu-Theatergruppe hat sich frühzeitig in ihrem Stück „Das Hochzeitsbier“ dieser Thematik, dem Schmäuß-Brauen, angenommen und den Begriff in die Gegenwart transportiert. Da ist er nun eingegangen in die Bezeichnung eines Bieres, das zunächst nur an den historischen Festtagen ausgeschenkt, aber dann, aufgrund seiner Beliebtheit, auch in das Sortiment der Brauerei für den alltäglichen Verkauf aufgenommen wurde.

Insider behaupten allerdings, dass das Schmäuß nur an den historischen Tagen seinen besonderen, schmäußigen Geschmack freigibt. Ob dies an den Salutschüssen der Ausschüsser liegt? Wird dadurch erst das besondere Aroma des Schmäuß geweckt? Von vielen Genussmenschen wird dies nicht nur geglaubt sondern auch vehement behauptet. Dazu gehört auch der Stadtvogt!

An den historischen Tagen - Melchior-Otto-Tag, Viertelmeister-Tag, Schmäuß-Tag und Historisches Stadtspektakel – findet man in Kronach viele Menschen in einem „schmäußigen“ Zustand. Dieser ist bei weitem ein anderer als ein „bierig-alkoholisierter“ Zustand. Warum das so ist?

Dies könnte hier in trockener Theorie nur in ungenügender Weise beschrieben werden. Um dies herauszufinden, sollten sie nach Kronach kommen und einen Selbstversuch starten. Ihre Bank- bzw. Tischnachbarn, hier vor Ort, werden Ihnen sicherlich, nach dem zweiten oder dritten Bier, bei der Zustandsbeschreibung behilflich sein. Letztendlich werden aber auch sie von einem schmäußigen Wohlbefinden reden. Wohl an!

Hans Götz, Stadtvogt von Kronach

Bräumeister Thomas Kaiser